Gelegenheit... genutzt!

Rossini ist keine einfache Angelegenheit. Vor allem die eher knapp gehaltenen Werke haben es in sich - bieten sie viel Verwirrung bei wenig dramaturgisch logischer Entwicklung und höchst anspruchsvoller Partitur - sowohl für die Sänger als auch für das Orchester. Die Tiroler Festspiele Erl präsentieren in der noch bis 6. Januar 2019 laufenden Wintersaison mit "L'occasione fa il ladro" (dt.: Gelegenheit macht Diebe) eine wirklich gelungene Rossini-Komödie, die nicht nur musikalisch punktet, sondern auch szenisch - und mit dem jungen Patrick Hahn am Pult Frische und Esprit versprüht. Was für ein fulminanter Auftakt in den Jahreswechsel! Die Inszenierung von Wolfgang Berthold ist noch einmal am Freitag, 4. Januar 2019, um 18 Uhr (TICKETS) zu sehen. Unserer Empfehlung? HINGEHEN!

Hier unsere Kritik in der Kurzfassung: Das Orchester spielt präzise und nach anfänglicher leichter Behäbigkeit - womöglich aufgrund der frühen Anfangszeit um 11 Uhr am Sonntagmorgen - auch bald im spritzigen Tempo des herausragend guten Dirigenten Patrick Hahn. Der macht seine Sache dermaßen gut und lenkt so sauber das Gesamtgeschehen, dass man sich ihn eigentlich häufiger bei den Festspielen besetzt wissen möchte. Er ist es, der alles nicht nur ganz wunderbar zusammenhält, sondern auch höchst eloquent und mit enormen Witz die Rezitative begleitet. Allein deshalb ist dieses Opernerlebnis schon ein unterhaltsames mit vielen pointierten - auch musikalischen - Lachern. Die SängerInnen sind durch die Reihe gut, aber selten so besonders, dass Einzelne Erwähnung finden müssten. Das bietet aber eine wunderbare Basis für die dargebotene Ensemble-Gesamtleistung.

Das Bühnenbild von Daniel Sommergruber bietet im Rahmen der Möglichkeiten der Tiroler Festspiele Erl mit einer doppelstöckigen Setzkastenszenerie bisher nahezu ungeahnt aufwändig gestaltete Spielflächen im bewusst klein gehaltenen Stil, die der Komödie - und dem Regisseur - eine Bühne auf der Bühne für allerlei Scherze, Verwechslungen und immer wieder gekonnt platzierte Ansätze von Klamauk bieten. Aber genau das verlangt das Stück. Auf die für Rossini dann doch musikalisch kurz und knapp gehaltene Auflösung des Verwirrspiels hat das Regieteam gemeinsam mit dem Dirigenten eine ganz eigene Antwort gefunden, die zunächst verstört, den Besucher dann aber überaus amüsiert und befriedigt aus der Vorstellung entlässt. Denn eines ist auch bei dem starken Drang eines Rossinis, die Situation stets im Sinne eines Happy End aufzulösen, vollends sicher: Es hört eigentlich nie auf!

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