Im Rückblick: Buddha Passion in Hong Kong

Ein kleiner Reisebericht


Da war er also, der magische Moment, den man sich so sehr erhofft, wenn man an einem dermaßen anspruchsvollen und außergewöhnlichen Werk wie der "Buddha Passion" von Tan Dun über eine Woche geprobt hat. Er stellte sich auf ganz wunderbare Art und Weise von der ersten Minute der asiatischen Erstaufführung des in Sanskrit und Mandarin verfassten neuen Oratoriums am Freitagabend des 2. November 2018 im Konzertsaal des Hong Kong Cultural Centre ein. Ein langer Weg lag hinter den Sängerinnen und Sängern der Internationalen Chorakademie Lübeck und ihrem Leiter Rolf Beck. Ein Weg, der nicht immer einfach war, aber nun nach der gefeierten Uraufführung der „Buddha Passion“ mit den Münchner Philharmonikern bei den Dresdner Musikfestspielen im Mai erneut mit viel Anerkennung und Zuspruch von Presse und Publikum belohnt wurde.

Für den OSCAR-prämierten Komponisten Tan Dun stand schon direkt im Anschluss an die Dresdner Uraufführung fest, dass er mit seinem Freund und Kollegen Rolf Beck auch die asiatische Erstaufführung bestreiten wollen würde. Und das, obwohl in Hongkong ein heimischer Chor mit entsprechenden Sprachkenntnissen bereits vorgesehen war. Die Sängerinnen und Sänger der Internationalen Chorakademie Lübeck hatten aber so intensiv und gut an der Aussprache gearbeitet, dass es für Tan Dun gar nicht in Frage kam, auf das feinsinnige Klangbild des Chores in Hongkong zu verzichten.


Und so kamen alle Ende Oktober in Hamburg erneut zusammen, um in der St. Pauli Kirche drei Tage lang erneut am Stück – und an der Aussprache – zu arbeiten, am Sonntag des Abfluges kurzerhand noch einen Gottesdienst als Dank für die Bereitstellung der Kirche als Probenraum musikalisch mitzugestalten und am Abend dann schließlich in den Flieger zu steigen. Während die Reise ohne weitere Probleme wie Verspätungen, verpasste Anschlussflüge und verlorenes Gepäck über die Bühne ging hielten die Konzertorganisatoren nach gut 14 Stunde Reise eine kleine Überraschung für die gerade erst Angereisten parat: Nach nur einer Stunde im soeben bezogenen Hotelzimmer bat man den Chor direkt zur ersten Probe mit Tan Dun und dem Philharmonischen Chor Hongkong - ein Laienchor bestehend aus Medizinern und Juristen, wie Tan Dun nach dem ersten, ganz eigenen, zunächst leicht befremdlichen Klangeindruck der deutschen Kollegen kurzerhand zu erklären wusste.


Der erfahrene, allerdings in dieser Situation nicht wenig angespannte Komponist mit dem nie enden wollenden und in solchen Momenten mehr als dringend nötigen Sinn für Humor hatte auch sogleich ein geeignetes Rezept für die bevorstehende gemeinsame Zusammenarbeit parat: "Die chinesischen Kollegen konzentrieren sich bitte auf die Aussprache, der deutsche Chor bitte auf den Gesang." Spätestens in diesem Moment war den vornehmlich übermüdeten Sängerinnen und Sängern der Internationalen Chorakademie Lübeck klar, dass die zunächst so unmenschlich scheinende Probe kein unnötiges Übel, sondern eine wirklich elementar wichtige Vereinigung zweier sehr unterschiedlicher Chöre bedeutete - und somit unabwendbar war.


Dafür hatte der Chor dann den gesamten nächsten Tag vor der ersten Orchesterprobe im Konzertsaal des Hong Kong Cultural Centre frei und somit Zeit zur Entspannung, um mit dem Jetlag klar zu kommen oder einfach die aufregende Stadt ein bisschen zu erkunden. Es folgten zwei weitere, intensive Probentag in Hongkong, bei denen vor allem auch organisatorische Dinge wie die Choraufstellung samt Notenständern in den dafür eigentlich nicht vorgesehenen Zuschauerreihen hinter dem Orchester oder die Verteilung und Lagerung der Steine und Glöckchen, die von den Chormusikern ebenso zum Klingen gebracht wurden wie ihre Stimmen, geklärt werden konnten.


Tan Dun arbeitete nun mit der Internationalen Chorakademie Lübeck, dem Hong Kong Philharmonic Orchestra und deren Chor intensiv an der musikalischen Perfektion seines Werkes. Am Ende war der Komponist voll des Lobes war, ordnete sich der Hong Kong Philharmonic Choir sehr einfühlsam dem Gesamtklang des Lübecker Vokalensembles unter, fuhr das Hong Kong Philharmonic Orchestra ganz herausragend zu Hochtouren auf und begleitet Solisten und Chöre mit feinsten Klangnuancen, was zwangsläufig dazu führte, dass das ansonsten eher für Zurückhaltung bekannte Publikum des ausverkauften Saales nach dem Schlusston geradezu tobte.



Wieder einmal verzeichnete Rolf Beck in der Zusammenarbeit mit Tan Dun einen herausragenden Erfolg, ab den bereits im kommenden Jahr mit einer Asien-Tournee und dann 2020 mit Konzerten in Deutschland angeknüpft werden soll. Ein Glücksfall angesichts der Tatsache, dass dieses Werk in seiner Einzigartigkeit der mitunter sogar sehr humorvollen und dabei ganz besonderen Erzählweise vor allem in den ersten drei Akten des Stückes die Konzertbühnen der Welt erobern muss und sich so Gehör verschaffen sollte. Die Internationale Chorakademie Lübeck wird jedenfalls alles Erdenkliche dazu beitragen, eben genau dieses zu ermöglichen. Tan Dun verlieh seiner Begeisterung über Rolf Beck und seine Arbeit vor dem Bühneneingang kurz vor der asiatischen Erstaufführung auf ganz eigene Art und Weise Ausdruck: "Long live the Choir Academy Lübeck, long live Rolf Beck!"



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